Fördermittelübergaben im Mai 2026
Innovationen für nachhaltiges Wassermanagement und sauberes Abwasser in Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt setzt wichtige Impulse für eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft: In zwei Forschungsprojekten werden am Universitätsklinikum Halle (Saale) und an der Kläranlage Halle-Nord innovative Lösungen für den nachhaltigen Umgang mit Wasser und die effektive Abwasserreinigung entwickelt. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen, Schadstoffeinträge zu reduzieren und praxistaugliche Technologien für eine breite Anwendung zu schaffen.
- Nachhaltiges Wassermanagement im Gesundheitswesen
Krankenhäuser zählen zu den größten Wasserverbrauchern: Pro Bett und Tag werden mehrere hundert Liter Wasser benötigt. Gleichzeitig gelangen über das Abwasser Arzneimittelrückstände sowie potenziell resistente Keime in den Wasserkreislauf. Genau hier setzt das Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Halle (Saale) an.
Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung verallgemeinerungsfähiger Strategien für ein nachhaltiges Wassermanagement in Gesundheitseinrichtungen. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der Wasser-, Energie- und Stoffströme gleichermaßen berücksichtigt.
Zentrale Inhalte des Projekts:
- Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs durch Einsatz von Grau- und Niederschlagswasser
- Nutzung von Energiepotenzialen im Abwasser, insbesondere durch Wärmerückgewinnung
- Monitoring von Schadstoffen, darunter Antibiotika und multiresistente Erreger
- Entwicklung innovativer Reinigungsverfahren zur gezielten Entfernung von Arzneimittelrückständen und Keimen
Ein besonderer Fokus liegt auf der Analyse und Optimierung der Abwasserströme direkt am Entstehungsort. Hier wird untersucht, ob eine dezentrale Behandlung im Krankenhaus gegenüber der klassischen zentralen Reinigung Vorteile bietet. Darüber hinaus werden Simulationsmodelle entwickelt, um verschiedene Szenarien eines nachhaltigen Wassermanagements zu bewerten und auf andere Einrichtungen übertragbar zu machen.
Das Projekt leistet damit nicht nur einen Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz, sondern adressiert auch eine zentrale Herausforderung der öffentlichen Gesundheit: die Eindämmung von Antibiotikaresistenzen.
Gefördert wird das Vorhaben im Rahmen der Landesforschungsförderung mit rund 982.000 Euro über eine Laufzeit von drei Jahren (01.07.2025 – 30.06.2028). Die Fördermittelübergabe fand am 27. Mai 2026 im Universitätsklinikum statt.
Beantragt wurde das Projekt gemeinsam von Dr. Felix Glahn vom Institut für Umwelttoxikologie der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Prof. Dr. Jürgen Wiese, Professur „Siedlungswasserwirtschaft/ Schwerpunkt Abwasser“ im Fachbereich Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit an der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Weitere Partner für die Durchführung sind das Universitätsklinikum Halle (Saale) (UKH) (Stabstelle Krankenhaushygiene sowie Stabstelle Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz), die Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelttechnologien e.V. (GMBU e.V.), die Nanostone Water GmbH, Surflay Nanotec GmbH, das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft und die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH.
- Praxisnaher Großversuch zur Abwasserreinigung in Halle-Nord
Parallel dazu wird an der Kläranlage Halle-Nord ein großtechnisches Forschungsprojekt umgesetzt, das sich mit der weitergehenden Reinigung kommunaler Abwässer befasst. Im Zentrum steht die Entwicklung und Erprobung von Verfahren zur sogenannten vierten Reinigungsstufe.
Ziel ist es, Spurenstoffe wie Medikamentenrückstände, Mikroplastik und weitere anthropogene Schadstoffe effizient und kostengünstig aus dem Abwasser zu entfernen und die Verfahren für den großtechnischen Einsatz weiterzuentwickeln.
Zum Einsatz kommen innovative Technologien wie:
- funktionalisierte keramische Membranen
- kombinierte Oxidations- und UV-Verfahren
- flexible Containeranlagen zur praxisnahen Erprobung unter realen Bedingungen
Der Großversuch dient als wichtiger Zwischenschritt zwischen Laborforschung und breiter Anwendung in der Wasserwirtschaft. Ziel ist es, leistungsfähige und zugleich wirtschaftliche Lösungen zu entwickeln, die den steigenden Anforderungen an die Abwasserreinigung gerecht werden.
Hintergrund sind unter anderem strengere regulatorische Vorgaben: Die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie verpflichtet größere Kläranlagen (größer 150.000 EW) künftig zur Einführung zusätzlicher Reinigungsstufen zur Spurenstoffelimination.
Das Projekt wird durch das Land Sachsen-Anhalt mit rund 552.000 Euro gefördert und läuft bis Ende 2028. Die Fördermittelübergabe erfolgte am 13. Mai 2026 auf der Kläranlage Halle-Nord.
Beide Projekte zeichnen sich durch eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis aus. Zu den beteiligten Partnern an der Kläranlage gehören:
- Hochschule Magdeburg-Stendal
- GMBU e. V.
- Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH
- sowie weitere Unternehmen wie Nanostone Water GmbH
Das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft bringt seine Expertise in beide Vorhaben ein und unterstützt insbesondere im Projektmanagement und dem Transfer der Forschungsergebnisse in die praktische Anwendung.
Beitrag für Umwelt, Gesundheit und Zukunft
Die beiden Projekte verfolgen ein gemeinsames Ziel: Wasser nachhaltiger nutzen, Schadstoffeinträge reduzieren und innovative Technologien zügig in die Praxis überführen.
Durch die Nähe der Herausforderungen an der Quelle (z. B. Krankenhaus) wie auch im nachgelagerten Reinigungssystem auf der Kläranlage wird ein umfassendes Bild über die Situation im Abwasser gewonnen. Die Erkenntnisse sollen nicht nur in Sachsen-Anhalt Anwendung finden, sondern perspektivisch auch auf andere Regionen übertragbar sein.
Damit leisten die Projekte einen wichtigen Beitrag:
- zum Schutz der Gewässer
- zur Ressourceneffizienz
- zur Reduzierung von Umwelt- und Gesundheitsrisiken
- und zur nachhaltigen Transformation der Wasserwirtschaft
Wir freuen uns auf die kommenden Ergebnisse und die weitere erfolgreiche Zusammenarbeit.
Bei Interesse an den Projekten vermitteln wir gerne den Kontakt zu den jeweiligen Projektleitungen.
Bei Interesse an unserem Arbeitskreis „Reduzierung von Schadstoffbelastungen im Abwasser“ kommen Sie gerne auf uns zu.