Rückblick Fachveranstaltung „Wassersensible Stadtentwicklung“ am 15.09.2026: Gemeinsam für klimaresiliente Städte
Wassersensible Stadtentwicklung: Vom Wissen ins Handeln
Wie gelingt es, wassersensible Stadtentwicklung vom Pilotprojekt zur kommunalen Regelpraxis zu machen? Diese Leitfrage und Lösungsansätze prägten die Fachveranstaltung „Wassersensible Stadtentwicklung“ am 15. September 2026 im Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt in Halle (Saale).
Hitze, Trockenheit und Starkregen sind in Städten und Gemeinden längst konkrete Planungsaufgaben. Rund 80 Teilnehmende vor Ort sowie zahlreiche weitere Gäste im Livestream nutzten die Hybridveranstaltung, um sich über Strategien, Praxisbeispiele und umsetzbare Lösungen für klimaresiliente und lebenswerte Städte auszutauschen.
Vom Klimawandel zur konkreten Umsetzung
Das Programm spannte den Bogen von der fachlichen Einordnung der Folgen des Klimawandels über rechtliche, organisatorische und finanzielle Fragestellungen bis zu konkreten Projekten und Fördermöglichkeiten. Beiträge aus Landesverwaltung, Forschung, Rechtsberatung, Wohnungswirtschaft, kommunaler Praxis und Hochschullehre machten deutlich, dass wassersensible Stadtentwicklung nur im Zusammenspiel vieler Akteure gelingen kann.
Zu den Schwerpunkten gehörten:
- Wasser im Zeichen des Klimawandels: aktuelle Herausforderungen für Kommunen und Infrastrukturen
- Strategie, Organisation und Finanzierung: Voraussetzungen für die praktische Umsetzung wassersensibler Stadtentwicklung
- Blau-grüne Infrastruktur: Potenziale für Halle (Saale) und Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt „Agenda Stadt grün-blau“
- Praxis in Sachsen-Anhalt: das Klima-Quartier „Walter-Grosse-Ring“ in Wernigerode
- Hochschullehre und Nachwuchs: die Planung klimaangepasster Freiräume in der Ausbildung
- Förderung: Programme und Finanzierungsmöglichkeiten für wassersensible Vorhaben
Die Fachbeiträge lieferten zahlreiche Impulse für die kommunale Praxis und verdeutlichten die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wohnungswirtschaft, Wissenschaft und Planung. Die Kaffee- und Netzwerk-Pausen boten Raum, um fachliche Fragen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und mit Referierenden, Ausstellenden sowie anderen Teilnehmenden über konkrete Ansätze zur Umsetzung wassersensibler Stadtentwicklung ins Gespräch zu kommen.
Podiumsdiskussion: Was bremst, was bringt uns voran?
In der abschließenden, von Stefan Böttger moderierten Podiumsdiskussion wurden die Voraussetzungen für eine verbindliche und praktisch umsetzbare wassersensible Stadtentwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Im Mittelpunkt standen z.B. die Fragen nach ausreichenden rechtlichen Instrumenten und der politischen Priorität des Themas sowie schnelleren Genehmigungs- und Abstimmungsverfahren. Dabei wurde wassersensible Stadtentwicklung auch als Teil kommunaler Daseinsvorsorge eingeordnet. Diskutiert wurden außerdem die begrenzte Flächenverfügbarkeit, die dauerhafte rechtliche und wirtschaftliche Absicherung von Investitionen sowie die Rolle des Bau- und Planungsrechts und der Wohnungswirtschaft. Entscheidend ist Klarheit darüber, wer für welche Maßnahmen zahlt, wie tragfähige Finanzierungsmodelle aussehen können und wo Kommunen und Wohnungsunternehmen stärkere Unterstützung durch den Bund benötigen. Weitere Schwerpunkte waren der Übergang vom Modellprojekt in reguläre Investitions- und Bestandsstrategien, die Verteilung der Kosten zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Wohnungsunternehmen und Nutzenden. Auch die Verbindung technischer und naturnaher Lösungen, ihre dauerhafte Pflege und die Messung ihrer Wirkung kamen zur Sprache.
Fachausstellung: Lösungen für Planung und Praxis
Im begleitenden Praxisforum nutzten sechs Aussteller die Gelegenheit, mit interessierten Teilnehmenden ins Gespräch zu kommen und konkrete Lösungen für die auf der Bühne diskutierten Herausforderungen vorzustellen:
- ROMOLD GmbH präsentierte langlebige Kunststoffschächte und digitale Lösungen für Entwässerung, Versorgung und Infrastruktur. https://romold.de/
- Das Regionalbüro des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz informierte über kostenfreie Beratung und Förderprogramme für Entsiegelung, Parkanlagen, Gewässerrenaturierung und weitere naturbasierte Maßnahmen. https://lau.sachsen-anhalt.de/fachthemen/ank
- Funke Kunststoffe GmbH zeigte Systeme zur Regenwasserbewirtschaftung – vom Versickern und Speichern bis zur Behandlung – sowie Lösungen für Bewässerung, Wurzelbelüftung und zukunftsfähige Baumstandorte. https://www.funkegruppe.de/
- KompetenzGrün stellte vor, wie naturnahe, artenreiche Begrünung, heimische Wildpflanzen, Biodiversität und wassersensible Stadtentwicklung miteinander verbunden werden können. https://kompetenzgruen.de/
- NIVUS GmbH erläuterte Mess- und Systemlösungen, mit denen Niederschlags- und Fremdwasser, Starkregenereignisse und Abwasserinfrastrukturen erfasst und vorausschauend bewirtschaftet werden können. https://www.nivus.com/
- Das Helmholtz Solution Lab URBAN LE zeigte, wie Wasserwirtschaft, Grünflächen und Wärmeversorgung in transdisziplinären Projekten von der Konzeption bis zur praktischen Erprobung zusammengeführt werden. https://www.ufz.de/solutionlab/
Gemeinsam die Umsetzung beschleunigen
Die große Resonanz unterstrich, wie hoch der Handlungsdruck und zugleich das Interesse an konkreten Lösungen sind. Wassersensible Stadtentwicklung wird Hitze mindern, Starkregenfolgen begrenzen, Wasser vor Ort halten und die Aufenthaltsqualität erhöhen. Ihre Umsetzung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, braucht klare Zuständigkeiten, verlässliche Rahmenbedingungen, tragfähige Finanzierungsmodelle und erfordert Kompromissbereitschaft bei Flächen-, Nutzungs- und Kostenfragen. Nur so können erfolgreiche Ansätze vom Pilotprojekt zur Regel werden und ihre Mehrwerte auf großer Fläche entfalten.
Das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft dankt allen Referierenden, Ausstellenden, Teilnehmenden und Mitwirkenden für ihre fachlichen Impulse und den offenen Austausch.
Die Veranstaltung hat gezeigt: Der Weg zur klimaresilienten Stadt ist eine Gemeinschaftsaufgabe und beginnt dort, wo Wissen in Handeln überführt wird. Als Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft werden wir weiterhin unseren Beitrag leisten, um gute Ideen, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Lösungen in die Umsetzung zu bringen.
Dank an die Partner
Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit folgenden Partnern durchgeführt:
- Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
- Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e. V. (VdWg)
- Verband der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt e. V.
- Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt e. V.
Fotos: Markus Scholz